29.06.2016, 19:30
Fusion

Gruppen gegen Kapital und Nation auf der Fusion

Auf der Fusion wird es wieder einige Workshops geben. Sie finden im oder um dem Workshophangar herum statt. Vor Ort hängt hängt ein Plan aus, im Festival-Guide sind die Workshops allerdings nicht ausgewiesen.

Kurzübersicht:

Mi., 19.30 Uhr bis 21.30 Uhr: **Workshop zu Rassismus damals und heute**
Wie der Bundesgerichtshof seinen früheren Rassismus gegen Sinti und Roma kritisiert und was man dabei für die Flüchtlingsdebatte lernen kann.

Do., 12.00 Uhr bis 14.00 Uhr: **„Wir schaffen das“, sagt Merkel – Wer ist wir? Was ist das? Und wozu?**

Ein Workshop zur deutschen und europäischen Flüchtlingspolitik

Do., 14.30 Uhr bis 17.00 Uhr: **TTIP, TISA und Co. –Weit mehr als Handelsabkommen zwischen Freunden**

Ein Workshop zu Sinn und Zweck von Freihandelsabkommen und einer Kritik an ihnen

Fr., 12.00 Uhr bis 15.00 Uhr: **Scheitern.**

Das Gefühl kennen fast alle: Egal ob Uni, Job, Schule. „Selbstzweifel“ ist dann ein häufiges Ergebnis. Wir meinen: Gezweifelt werden sollte eher an dieser Gesellschaft.

Längere Teaser zu den einzelnen Workshops:

Mi., 19.30 Uhr bis 21.30 Uhr: **Workshop zu Rassismus damals und heute**

Wie der Bundesgerichtshof seinen eigenen Rassismus kritisiert und was man dabei für die Flüchtlingsdebatte lernen kann

In einem Urteil von 1956 hat der BGH Entschädigungsforderungen von Roma und Sinti wegen ihrer Zwangsumsiedlung im Jahr 1940 zurückgewiesen. Der BGH befand 1956, dass die Zwangsumsiedlung von Sinti und Roma 1940 nach Polen, aus nachvollziehbaren kriminalpolitische Gründen gemacht wurden. Der BGH befand: „Sie neigen, wie die Erfahrung zeigt, zur Kriminalität, besonders zu Diebstählen und Betrügereien, es fehlen ihnen vielfach die sittlichen Antriebe der Achtung vor fremden Eigentum, weil ihnen wie primitiven Urmenschen ein ungehemmter Okkupationstrieb eigen ist.“

Vom Zentralrat der Sinti und Roma vor anderthalb Jahren darauf angesprochen, gibt der heutige BGH auf einem Symposium zu, das Urteil von 1956 war rassistisch. Was ist die Lehre für heute? Hat er was bemerkt? Fällt ihm eine Parallele zum politischen Vorhaben ein, kriminelle Ausländer noch einfacher abzuschieben als schon bislang möglich?

Do., 12.00 Uhr bis 14.00 Uhr: „Wir schaffen das“, sagt Merkel – Wer ist wir? Was ist das? Und wozu?

Vor dem Hintergrund deutscher und europäischer Asylpolitik der letzten Jahre wirft Merkels „Wir schaffen das“ einige Fragen auf. Wie lässt sich der scheinbare Widerspruch zwischen dem stetigen Ausbau der „Festung Europa“ und der Absage an eine Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen erklären?

Do., 14.30 Uhr bis 17.00 Uhr: TTIP, TiSA & Co: Weit mehr als Handelsabkommen zwischen Freunden

Eine mögliche Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft, kurz TTIP, ist derzeit in aller Munde. Aber auch die EU und Kanada haben sich über eine Handelspartnerschaft namens CETA geeinigt, die USA verhandeln mit elf weiteren Staaten über das transpazifische Handelsabkommen TPP und insgesamt 23 Staaten, darunter die EU, Australien und die USA, beraten derzeit über das plurilaterale Abkommen zu internationalem Dienstleistungshandel TISA.

Wir wollen fragen, was es genau mit TTIP, TISA und Co. auf sich hat: warum erfreuen internationale Handelsverträge sich so großer staatlicher Beliebtheit erfreuen? Und an wen richtet sich eigentlich das Versprechen der Abkommen von mehr Wachstum und Jobs? Wir bezweifeln, dass damit die Verbesserung der Lebensverhältnisse der Bevölkerung gemeint ist. Jedoch

halten wir auch eine Kritik für unzureichend, die meint, wenige Großkonzerne würden die handelspolitische Agenda ihrer Regierungen bestimmen. Wir wollen mit euch diskutieren, wie die Abkommen den beteiligten Staaten in ihren imperialistischen Vorhaben nutzen und sie dabei regelmäßig aneinandergeraten.

Fr., 12.00 Uhr bis 15.00 Uhr: Scheitern

Ein Meer an Chancen und Möglichkeiten – so wird einem diese Gesellschaft gern präsentiert. Die gängige Metapher: „Jeder ist seines Glückes Schmied!“

Für den Großteil dieser vermeintlichen „Glücksschmiede“ ist die gesellschaftliche Realität dann aber doch recht ernüchternd: Sie bekommen keine Lehrstelle oder keinen Studienplatz. Sie bekommen trotz Büffelei im Studium danach nur miserable Jobs. Sie arbeiten unter scheiß

Bedingungen für scheiß wenig Geld. Viele haben nicht mal das und müssen sich von der ARGE drangsalieren lassen. Und so stellt sich für viele die Frage, woher das eigentlich kommt. Wenn

die Welt doch voller Möglichkeiten ist, woran liegt es, dass ich nicht vom Fleck komme? Liegt es an mir? Bin ich unfähig? Zu blöd? Oder liegt es an anderen? Bin ich mal wieder beschissen worden? Haben die mich falsch beurteilt? Mal wieder nicht erkannt, was wirklich in mir steckt?

Vor dieser Art Fragen wollen wir warnen. Sie sind nicht nur inhaltlich falsch, sondern bringen einiges an Grausamkeiten gegen sich und andere mit sich.

Vielmehr wollen wir uns die betroffenen gesellschaftlichen Bereiche – Schule, Uni, Arbeitsmarkt - mal genauer anschauen. Wir meinen zeigen zu können, dass das Scheitern eines beachtlichen Teils der Bevölkerung notwendigerweise zu dieser Ökonomie gehört. Ob man Arbeit und Geld hat,

hängt in dieser Gesellschaft von den Kalkulationen derjenigen ab, die arbeiten lassen. Lässt sich mit der Arbeit kein Profit machen, findet sie nicht statt und die Leute landen auf der Straße. Übersetzt wird diese Abhängigkeit leider allzu oft als persönliches Versagen. Dagegen soll sich dieser Workshop richten: Gegen die falsche geistige Verarbeitung von Scheitern in der kapitalistischen Konkurrenzgesellschaft.