11.08.2016, 18:00
bei Hannover

Antinationales Sommercamp im Norden vom 11.08.-18.08.2016

Das Camp ist voll! Anmeldungen sind leider nicht mehr möglich.

Ferien von Deutschland machen

Dieses Jahr gibt es wieder ein Antinationales Sommercamp mit Sonne und Theorie, Sommer und Diskussion, Baden und Argumenten. Täglich werden dort zweimal zu entspannten Uhrzeiten mehrere parallele Workshops angeboten, die, wie „im echten Leben“, in Konkurrenz stehen zu schwimmen, schlafen, Spaziergängen, kickern und Lagerfeuerromantik (letzteres sehr umstritten).

Auf den Camps wird es Workshops u.a. zu folgenden Themen geben:

Fluchtursachen und der Beitrag des Westens ( Sudan/Süd-Sudan, Syrien), Die deutsche und europäische Flüchtlingspolitik, aktueller Rassismus in der Flüchtlingsdebatte, Die Alternative für Deutschland, Brexit, IS, Einführung in die Kapitalismuskritik, Krisentheorie, Streik/Streikrecht, Schulkritik, Kritik der Sozialen Arbeit, Geschlecht/Lohnarbeit/Bevölkerungspolitik, Sexarbeit, TTIP und Schiedsgerichte.

Übrigens: Dieses Jahr wird es nur ein Camp im Norden geben, im Süden wird erst 2017 wieder eines veranstaltet.

Organisatorisches : Das Camp findet in Niedersachsen statt und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Übernachtung in Betten oder selbst mitgebrachten Zelten. Pro Tag kostet ein Zeltplatz 9–13€ und ein Bettplatz 14–18 €, je nach Selbsteinschätzung der eigenen finanziellen Möglichkeiten. (Wer überlegt wegen der Höhe des Teilnahmebeitrags nicht zu kommen, melde sich bitte bei uns ). Materialien und Vollverpflegung inklusive. Auf dem Camp gibt es organisierte Selbstverpflegung, d. h. manchmal kochen und abwaschen, aber täglich essen, stets auch vegetarisch und vegan. Vorhanden sind Tagungsräume, Kicker, Billardtisch, Tischtennisplatte, WLAN, Felder drumherum, Grillplatz, Kinoraum, Veranstaltungsraum mit Musikanlage, große Rasenfreifläche für sonst was und ein Freibad in Fußnähe, mit dem wir Sonderpreise aushandeln werden. Hunde werden angeleint geduldet.

Die Anlage ist leider nur bedingt rollstuhlgerecht. Wir bemühen uns, auf Bedürfnisse einzugehen, soweit wir das kapazitätenmäßig schaffen. Wenn du bestimmte Bedürfnisse oder Fragen hast und mit uns klären willst, ob die Camp-kompatibel sind, dann melde Dich gerne bei uns . Wenn du mit Kindern kommen möchtest, melde dich bitte auch bei uns. Wir bemühen uns um Kinderbetreuung mindestens parallel zu einem Teil der Workshops. Dafür ist es hilfreich zu wissen, welche Altersgruppe etc. abzudecken ist.

Schau ab jetzt hier öfter vorbei, denn hier gibt es demnächst Ankündigungen eines Teils der Workshops (wird laufend aktualisiert) .

TTIPs Schiedsgerichte: Sieg des Kapitals über den Staat?

Die umständlich „Investor-Staat-Streitbeilegungsverfahren“ getauften Schiedsgerichte sind nicht umsonst ein wichtiger Aufhänger für die Gegner des geplanten transatlantischen Handelsabkommens TTIP. Vor diesen ad hoc-Gerichten kann ausländisches Kapital eine Regierung auf Schadensersatz verklagen. Und zwar dann, wenn Investitionen (etwa von US-Kapital in der EU) aufgrund von bestimmten Politikwechseln nicht zu den erwarteten Gewinnen führen – so verklagt Vattenfall Deutschland wegen des Atomausstiegs vor einem solchen Schiedsgericht. Wie kommen Staaten dazu, in Form der Schiedsgerichte eine Einladung ans ausländische Kapital auszusprechen, sich für ihre eigenen politischen Entscheidungen im Bedarfsfall abstrafen zu lassen? Warum werden dafür diese sonderbaren privaten Schiedsgerichte ins Leben gerufen? Zumal diese ganz außerhalb des staatlichen Rechtssystems ihre Entscheidungen treffen sollen und nicht wie üblich in einer vom Kapital getrennten Sphäre stattfinden.

Schule und Bildung im Kapitalismus

Die Vermittlung von Wissen an die nachfolgende Generation gilt gemeinhin als die Aufgabe von Schule und Hochschullehre. Wir meinen dem ist nicht so. Das primäre Ziel des Bildungswesens scheint vielmehr eine selektive Wissensvermittlung und die Selektion der Bevölkerung anhand dieser Wissensvermittlung zu sein. Wie das vonstattengeht, welche Gründe dafür vorliegen und welche Schlüsse man besser nicht aus seiner Schullaufbahn ziehen sollte wird Inhalt des Workshops sein.

"Na dir werd ich helfen!"- Kritik an der Sozialen Arbeit

"Sozialarbeiter_in ist bei Linken ein beliebter Beruf. Doch in den letzten Jahren haben sich die Bedingungen einer emanzipatorischen und kritischen Sozialen Arbeit massiv verschlechtert: Neuere sozialpädagogische und erziehungswissenschaftliche Konzepte tendieren durchgehend zu autoritären Sichtweisen, ignorieren gesellschaftliche Macht- und Herrschaftsverhältnisse und zielen auf eine immer weitreichendere Selbstzurichtung und Disziplinierung. So wird soziale Arbeit zunehmend zu einer Profession, die soziale Kontrolle ausübt und Menschen für die ökonomische Verwertung verfügbar macht. Dagegen regt sich auch innerhalb der Sozialen Arbeit derzeit vielfältiger Widerstand. Doch ist diese Entwicklung wirklich eine grundlegende Erneuerung der Sozialen Arbeit in dieser Gesellschaft? Grundthese unseres Beitrags ist, dass dem nicht so ist. Soziale Arbeit verzichtet seit jeher auf Studium und Kritik der ökonomischen Verhältnisse, findet das „einen alten Hut“ oder nimmt sie viel zu verkürzt vor. Aus diesem Grund ist sie nicht in der Lage, das Scheitern ihrer Klientel in dieser Gesellschaft als ein systematisches und notwendiges zu erklären. Konsequenz ist die übliche Individualisierung der Probleme. Anstatt eine Aufklärung über gesellschaftliche Widersprüche zu leisten, findet seit jeher die Aufforderung zum Weitermachen, zum Anpassen und zur Selbstoptimierung statt. Die betroffenen Menschen werden von der Sozialen Arbeit als hilfsbedürftig und mängelbehaftet definiert, ihnen wird  - wenn vielleicht auch ungewollt - systematisch die Verantwortung für ihr Scheitern zugeschoben. Und so werden „Komfortzonen verlassen“, „Erfolgserlebnisse generiert“ und diese anschließend „in den Alltag transferiert“. Es werden „Stärken betont“ und „Ressourcen erforscht“. Es werden die eigenen „Grenzen überschritten“ und das „Selbstwertgefühl gestärkt“. Und ganz nebenbei das siebte Bewerbungstraining absolviert. Damit wird diesen Menschen von der Sozialen Arbeit einiges angetan. Sie werden in eine Lage gebracht in der sie sich vergebens abstrampeln, nur um dann wieder ihre angebliche Unzulänglichkeit erneut vor Augen geführt zu bekommen. Es wird nämlich das Bild erzeugt, dass die Welt voller Chancen wäre und man diese nur nutzen müsse. Alles was es bräuchte ist nur ein bisschen Selbstbewusstsein und die richtige Einstellung... Aber auch sich selbst tun Sozialarbeiter_innen keinen Gefallen: Der eigene Burnout, das Aufopfern für das Klientel, Frustration aufgrund der Misserfolge und das übliche Magengeschwür sind Ausdruck davon."

Brexit - oder zur Illusion, über die Souveränität eines Staates abzustimmen.

Was ist eigentlich los auf der Insel, wo am 23.6. über einen EU-Austritt per empfehlender Volksabstimmung entschieden wird? Ein beachtlicher Anteil an Leuten wie an Politkern eines der mächtigsten europäischen Staaten will bei allem ökonomischen Nutzen dieses Bündnis verlassen. Dabei wird v.a. drei Themen eine wichtige Rolle: die Flüchtlingspolitik, die ökonomische Krise der letzten 10 Jahre und die Frage, was eigentlich alles in Brüssel und damit "über die Köpfe der Briten hinweg" entschieden wird. Und dass, obwohl die wahrscheinlichste Alternative zur EU-Mitgliedschaft eine immer noch ziemlich enge Anbindung an die EU bedeutet incl. Zahlungen nach Brüssel, aber mit deutlich weniger Mitspracherecht. Weil es einmal mehr um nichts als das kapitalistische Vorankommen dieses Staates geht, gibt es keine vernünftige Stellung zum Brexit zu beziehen, sondern nur zu kritisieren, wer womit Erfolg haben will, was also mit richtiger, britischer Politik verknüpft wird und was als an realem oder imaginiertem Drangsal schlicht Brüssel zugeschoben wird.

Dein Bauch gehört dir – dein Staat sagt wofür: §§ 218-219 StGB (Schwangerschaftsabbruch & Schwangerschaftskonfliktberatung)

Die Entscheidung für oder gegen das Austragen einer Schwangerschaft überlässt der deutsche Staat nicht einfach Schwangeren allein, sondern erklärt diese Frage zu seiner Angelegenheit: alle Schwangerschaftsabbrüche sind in Deutschland grundsätzlich unter Strafe gestellt, wobei die aktuell gültige Rechtslage verschiedene Bedingungen vorsieht, unter denen Schwangerschaftsabbrüche ausnahmsweise straffrei durchgeführt werden dürfen. Diese im Wesentlichen seit 1995 unverändert geltende „Fristenlösung mit Beratungspflicht und Indikationen“ wird von Seiten der Politik als „tragfähiger Kompromiss“ zwischen dem „Lebensrecht der Leibesfrucht“ und dem „Selbstbestimmungsrecht der Frau“ gehandelt; die verpflichtende Beratung wiederum gilt als ergebnisoffenes Hilfsangebot für Schwangere in einer „Not- und Konfliktlage“. In der Veranstaltung wollen wir uns auf Grundlage entsprechender Gesetzestexte und Verfassungsgerichtsurteile anschauen, welche Inhalte und Ansprüche sich hinter dem „Recht auf Leben“ einerseits und dem „Recht auf Selbstbestimmung“ andererseits verbergen und auf welche Weise die §§ 218-219 StGB den Konflikt zwischen diesen beiden Rechten zu vermitteln versuchen. Zur Diskussion der Frage, warum und wie der Staat auf Willen und Gewissen ungewollt Schwangerer Einfluss zu nehmen versucht, soll dabei insbesondere auf die Ziele und Inhalte der verpflichtenden Schwangerschaftskonfliktberatung eingegangen werden.

Kritik der deutschen 'Vergangenheitsbewältigung'. Zwischen Gedenknationalismus und Schlussstrich

Der Workshop möchte unter die Lupe nehmen, wie die nationalsozialistische Herrschaft sowie der Holocaust im Nationalismus der BRD ideologisch verarbeitet wurden. Holocaust-Relativierungen und eine Schlussstrich-Mentalität sind nicht unbedingt die zentralen Merkmale dessen, was deutsche Repräsentant*innen und Kulturschaffende zum Nationalsozialismus so von sich geben: Die »Verantwortung Deutschlands vor unserer unseligen Geschichte« trägt noch jede dieser Gestalten an Gedenktagen, bei Bundeswehr-Gelöbnissen oder in Interviews zur Eurokrise geräuschvoll vor sich her. »Schuld macht klug« – findet etwa Bernd Ulrich, kriegsbegeisterter Leiter des Politik-Ressorts der ZEIT. Wieso der staatlich ritualisierte Gedenk- und Betroffenheitszirkus mit einer Kritik des Nationalsozialismus, des Antisemitismus und des Holocausts nichts zu tun hat – mit einer selbstgefälligen, billigen Distanzierung zwecks der Verhimmelung des heutigen Deutschlands und seiner weltpolitischen Ambitionen hingegen alles zu tun hat – das möchte der Workshop aufzeigen. Holocaust-Relativierungen und eine Schlussstrich-Mentalität sind sehr wohl die zentralen Merkmale dessen, was deutsche Stammtische, »der kleine Mann« und einige »mutige Tabubrecher*innen« im Establishment so von sich geben, wenn sie über den Nationalsozialismus reden. Woher der Wunsch nach dem »Schlussstrich« erwächst und wie eine Kritik daran beschaffen sein sollte - auch das will der Workshop anreißen.

TTIP, TISA und Co. - Weit mehr als Handelsabkommen zwischen Freunden

Eine mögliche Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft, kurz TTIP, ist derzeit in aller Munde. US-Amerikanische und europäische Politiker beschwören die transatlantische Freundschaft und schwärmen vom „Gewinnpotenzial“ durch TTIP: Sie versprechen mehr Jobs und mehr Wachstum auf beiden Seiten des Atlantiks sowie eine größere Konkurrenzfähigkeit auf dem internationalen Markt. Dabei ist TTIP bei weitem nicht das einzige Projekt: Auch die EU und Kanada haben sich über eine Handelspartnerschaft namens CETA geeinigt, die USA verhandeln mit elf weiteren Staaten über das transpazifische Handelsabkommen TPP und insgesamt 23 Staaten, darunter die EU, Australien und die USA, beraten derzeit über das plurilaterale Abkommen zu internationalem Dienstleistungshandel TISA. An dem Abend wollen wir fragen, warum sich internationale Handelsverträge großer Beliebtheit erfreuen und wem damit geholfen wird. Worum geht es eigentlich, wenn sich die Verhandlungspartner mit so großem Eifer um Chlorhühnchen, Genmais und Schiedsgerichte streiten? Warum treffen so viele Gegensätze aufeinander, obwohl versprochen wird, sie seien von allseitigem Nutzen? An wen richtet sich eigentlich das Versprechen von mehr Wachstum und Jobs? Wir bezweifeln, dass damit die Verbesserung der Lebensverhältnisse der Bevölkerung gemeint ist. Jedoch halten wir auch eine Kritik für unzureichend, die meint, wenige Großkonzerne würden die handelspolitische Agenda ihrer Regierungen bestimmen. Was es genau mit TTIP, TISA und Co. auf sich hat, warum das versprochene Wirtschaftswachstum für Lohnarbeiter_innen nichts positives ist, wieso die Unternehmen in den Partnerländern trotz steigender Konkurrenz von den Vorhaben profitieren würden und wie die Abkommen den beteiligten Staaten in ihren imperialistischen Vorhaben nutzen und sie dabei aneinandergeraten, das wollen wir gemeinsam mit euch diskutieren.

Die spanische Revolution 1936-38: Anarchismus in Aktion

In diesem Workshop soll es darum gehen, was Anarchist_innen am Kapitalismus kritisieren und wie sie diese Kritik versucht haben umzusetzen, als sich 1936 in Spanien die Möglichkeit dazu bot.

"Fluchtursachen vor Ort" - am Beispiel Sudan (Nord & Süd)

Der größte Flächenstaat Afrikas hat sich 2011 gespalten in einen Nord- und Südteil. Wir wollen den Weg von Südsudan in die Unabhängigkeit, den Widerstand der Regierung im Norden dagegen und die internationalen Interventionen in den Konflikt betrachten und untersuchen, warum - aller Ursachenbekämpfung vor Ort zum Trotz - so viele Menschen aus rohstoffreichen Ländern wie dem Südsudan ihre Länder verlassen wollen.

Kollektivbetriebe - ein anarchosyndikalistisches Modell der Planwirtschaft

Anhand des "Positionspapier Kollektivbetriebe" der Freien Arbeiter*Innen Union (FAU) Hamburg soll deren konkreter Vorschlag für eine andere Wirtschaftsform diskutiert werden.

"Wenn Du schon 'wir' sagst"

Dass wir von Nationalismus nicht viel halten, steckt schon in unserem Namen. Damit sind wir nicht alleine. Was nun aber genau am Nationalismus zu kritisieren ist, da besteht ein bisschen weniger Einigkeit. Zum Beispiel kritisieren vielen, dass andere Menschen vom deutsch oder britisch sein ausgeschlossen werden. Das ist uns zu wenig. Andere meinen, Nationalismus sei die Behauptung und Suche nach Harmonie im Hauen und Stechen. Da fehlt uns, dass die meisten Nationalisten an der Konkurrenz gar nichts auszusetzen haben und ihnen die Entgegnung: "ist doch viel Konkurrenz" wenig anhaben kann. Wieder andere meinen, Nationalismus sei das "Ja!" zum Staat, auf den die einzelnen Konkurrenzsubjekte als Mittel gegen die anderen angewiesen sind. Da fehlt uns das "wir", um das sich Nationalismus dreht. Im Workshop wollen wir darum diskutieren, was Nationalisten meinen, wenn sie "wir" sagen.

Der Kram mit der Arbeit und dem Wert beim Marx

In diesem Workshop wollen wir uns den Anfang vom Kapital von Karl Marx zusammen anschauen, um zu diskutieren, wie Marx zum Wert und dann zur Arbeit kommt. Irgendwas mit "Arbeitswertlehre" ist ja bekanntlich wichtig beim "Marxismus" und wir meinen es lohnt sich in der Tat genauer hinzuschauen, wie die Argumente dazu aussehen. Wir meinen weder, dass Marx die Sache mit der Arbeit einfach hinbehauptet, noch, dass mit "gesellschaftliche Zugriffsmacht" der Wert auf den Begriff gebracht ist.

Afrikas Integration in den Weltmarkt: Von Kolonien zu Rohstoffländern zu Schuldenstaaten

Die meisten Staaten in Afrika (unterhalb von Nord-Afrika, Subsaharah) haben eine ähnliche polit-ökonomische Karriere hinter sich. Der koloniale Befreiungskampf endete mit Politikern an der Spitze, die einen modernen nationalen Staat entwickeln wollten. Dafür sollte der Export von Rohstoffen die Basis bilden. Über diese Basis hinaus sind die meisten Staaten nicht gekommen, ergänzend kam die Karriere als im Ausland verschuldeter Staat hinzu, der dann vom IWF betreut wurde. Für die Bevölkerung waren überwiegend keine Einkommensquellen vorhanden, diese wurden zunehmend sogar immer prekärer. Der Kampf um die Staatsmacht, als einzige sichere Einkommensquelle, war und ist so immer wieder vorprogrammiert. Insbesondere, wenn neue Rohstofflager entdeckt wurden, brechen blutige Konflikte aus. Die Karriere dieser Staaten soll einmal in ihren Prinzipien dargestellt und diskutiert werden. Dass dabei von Besonderheiten abstrahiert wird, ist klar. Anhand des Sudans/Süd-Sudans soll es noch einen Workshop geben, an dem man an einem konkreten Fall diskutieren kann, ob die Prinzipien so stimmen bzw. in welchem Wechselspiel sie sich durchsetzen. Der Workshop ist u.a. deshalb politisch relevant, weil in der hiesigen Flüchtlingsdebatte immer wieder die Rede davon ist, dass man Fluchtursachen bekämpfen müsse. Von der Regierung heißt es dann: Bürgerkriege und absolutes Elend würden vermieden, wenn die Wirtschaft in Afrika sich entwickelt. Damit die Wirtschaft sich entwickeln kann, muss aber erstmal ein funktionierendes Staatswesen her und so werden Polizei und Militär vor Ort ausgebildet. Die Gegenthese ist: Der Hauptgrund für das wirtschaftliche Elend ist ein freier Weltmarkt, der auf eine nachholende Entwicklung nicht gewartet hat. Die Ausbildung von Militär und Polizei sorgt (wenn überhaupt) dafür, dass die Länder als Rohstoffabstransportländer erhalten bleiben. Und so trägt der freie Westen (mittlerweile zusammen mit China, das sich in die freie Weltmarktordnung einfindet) dazu bei, dass sich in Afrika seit Jahrzehnten im Grunde nichts verändert.

Imperialismus und internationale Verträge

Imperialismus: darunter wird landläufig die Eroberung großer Teile der Welt verstanden, indem Staaten sich die Gebiete selber einverleiben oder aber Kolonien bilden. Diese Methode eine Weltmacht zu werden, ist Vergangenheit und so gäbe es heute keinen Imperialismus mehr. In dem Workshop soll dargestellt werden, wie moderne kapitalistische Staaten versuchen, die ganze Welt für sich zu benutzen und unter ihre Kontrolle zu bringen. Sie erkennen die anderen Staaten als Souveräne an und gehen Verträge mit ihnen ein. Diese Verträge garantieren niemand anders als die Vertragspartner selbst, so dass die Verpflichtung der anderen Seite, die gewünschte Leistung zu bringen, zu einer extra Aufgabe wird. Der zweiteilige Workshop ist ein Angebot, sich nochmal grundsätzlich mit internationalen Verträgen zwischen Staaten und internationalen Verträgen zwischen Unternehmen zu beschäftigen.

Die Alternative für Deutschland (AfD)

Was ist die AfD? Für die einen ist sie eine „Protestpartei“: Die Wähler wollen eigentlich gar nicht das, was die AfD propagiert, sondern wollen den anderen etablierten Parteien nur einen Denkzettel verpassen. Sie sei eine „rechtspopulistische Partei“: Sie redet dem Stammtisch also einfach nach dem Mund, um viele Wählerstimmen zu gewinnen, ohne ein realistisches Konzept zu haben. Die Partei ist „völkisch, rassistisch, antifeministisch, nationalistisch, antiislamistisch“, warnen andere. Das stimmt zwar alles, aber hat man damit die Partei eigentlich kritisiert oder irgendjemanden überzeugt, warum man sich der Partei nicht anschließen sollte? In diesem Workshop soll das Programm der AfD (und auch seine Wählerschaft) einmal ernst genommen werden, versucht werden, sich einige Grundsätze anschauen, zu analysieren und zu kritisieren. Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur sonstigen Parteienlandschaft und auch parteiinterne Unterschiede kommen dabei zur Sprache. Der Vorschlag ist aber, sich vor allem darauf zu konzentrieren sich in der Kritik der Inhalte zu üben.

AfD, Bevölkerungspolitik, Familie und Gender

Die AfD spricht in ihrem Grundsatzprogramm recht deutlich die funktionale Seite von Familienpolitik aus: Es kommen für die deutsche wirtschaftliche Entwicklung zu wenige Kinder zur Welt. Durch Einwanderung soll das Problem nicht gelöst werden. Ausländern oder Kindern von Migranten wird die Daseinsberechtigung in der BRD weitgehend abgesprochen, weil ihnen die Loyalität zu Deutschland abgehe und sie zudem leistungsmäßig unterdurchschnittlich seien. Also müssen (volks-)deutsche Frauen mehr Kinder kriegen. Während die aktuelle Regierung daran rumlaboriert, wie der Widerspruch von Kinderkriegen und -erziehen auf der einen Seite und lohnarbeiten gehen auf der anderen Seite ausgehalten werden soll, verwirft die AfD dieses Konzept. Finanzmäßig wie wertedebattenmäßig, will sie die klassische Geschlechterrollenverteilung in der Gesellschaft unterstützen und weiter ausbauen. Übernahme der frühkindlichen Erziehung durch staatliche Institutionen, Gender-Mainstreaming, das gesetzliche Trimmen der Frauen für den Arbeitsmarkt, sieht sie als falsch an. Die Praxis der Schwangerabbruchsberatung möchte sie auf dessen harten Kern direkt reduzieren: Frauen soll der Abbruch gezielt ausgeredet bzw. die soziale Indikation unterbunden werden. Dass die „Ehe und Familie als Keimzellen der bürgerlichen Gesellschaft“ nicht einfach für eine Kindermenge wichtig ist, sondern zugleich für eine bestimmte Qualität der Kinder, wird deutlich, wenn die AfD ein schwaches Abnehmen der Bevölkerungsanzahl für kein Problem hält – das ist für sie besser als Einwanderung. Anhand von Auszügen aus dem Grundsatzprogramm soll das AfD-Programm zum Thema Familie im Besonderen und dem politischen Programm von „Ehe und Familie als Keimzellen der bürgerlichen Gesellschaft“ im Allgemeinen analysiert werden.

Die Misere hat System – Kapitalismuskritik

Warum gibt es Hunger und Unterversorgung in einer Welt, in der gleichzeitig unendlicher Reichtum vorliegt? Warum leiden und sterben Menschen an Krankheiten, die oft leicht zu heilen wären?Warum ist es in dieser Gesellschaft ein Problem, wenn es immer weniger Arbeit gibt? Kurz: Warum bedeutet das Leben in dieser Gesellschaft für die allermeisten Mangel, Stress, und Verzicht, obwohl doch alles existiert, was es für ein gutes Leben bräuchte? Wollen wir diese bestehenden Verhältnisse, "in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist" (Karl Marx) überwinden, müssen wir uns mit der Art und Weise wie diese funktionieren auseinandersetzen. Anders gesagt: Mit Ökonomie und Ökonomiekritik. Und so wollen wir aufzeigen, wie die beschriebenen Phänomene mit einer auf Privateigentum und Konkurrenzprinzip basierenden Gesellschaftsordnung zusammenhängen. Wir wollen erklären, warum Eigentum weit mehr ist als die Garantie morgen meine Zahnbürste noch benutzen zu können, warum Tauschen kein harmloses Geben und Nehmen ist und warum in dieser Gesellschaft Krankheit und Hunger noch lange kein Grund für das Herstellen von Medikamenten und Brot ist. Dazu haben wir auch ein Buch mit dem Titel "Die Misere hat System: Kapitalismus" geschrieben. Im Workshop wollen wir die oben aufgeworfenen Fragen mit euch diskutieren und eine verständliche aber dennoch fundierte Analyse der kapitalistischen Gesellschaft liefern.

"Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will." - Aber wer will das denn schon?! Streik & Streikrecht

Niemandem, der noch ganz bei Trost ist, käme es in den Sinn die Meinungsfreiheit zu kritisieren. Schließlich ist sie nicht nur eine der Errungenschaften des bürgerlichen Rechtstaats, sondern für manche glatt auch die Bedingung jeder Kritik. Ohne sie wäre hier vieles im Argen, Angst und Gewalt würde jede Diskussion bestimmen also: Diktatur herrschen. Auch sonst staatskritische Linken halten meist viel von der Meinungsfreiheit und sehen sie nur noch nicht genug verwirklicht. Aber mal angenommen man ist einen Workshop mal nicht ganz bei Trost, was käme denn dabei heraus, wenn man das Recht auf Meinungsfreiheit genauer unter die Lupe nimmt? Schon irgendwie komisch, das man eine explizite Erlaubnis zum Denken braucht. Was heißt das eigentlich, wenn ich für meine freie Meinung auch alle anderen als freie Meinung anerkennen muss? Ist der gute Ruf am Ende gar ganz unverdient, weil eine ziemliche Täuschung über die Sache? Müsste man gar gerade dann Abstand vom Lob der freien Meinung nehmen, wenn es einen auf den Inhalt der Meinung ankommt? Derart unvorstellbare Gedanken soll in diesem Workshop diskutiert werden. Ganz ohne Erlaubnis, dafür mit Argumenten.

Meinungsfreiheit

Niemandem, der noch ganz bei Trost ist, käme es in den Sinn die Meinungsfreiheit zu kritisieren. Schließlich ist sie nicht nur eine der Errungenschaften des bürgerlichen Rechtstaats, sondern für manche glatt auch die Bedingung jeder Kritik. Ohne sie wäre hier vieles im Argen, Angst und Gewalt würde jede Diskussion bestimmen also: Diktatur herrschen. Auch sonst staatskritische Linken halten meist viel von der Meinungsfreiheit und sehen sie nur noch nicht genug verwirklicht. Aber mal angenommen man ist einen Workshop mal nicht ganz bei Trost, was käme denn dabei heraus, wenn man das Recht auf Meinungsfreiheit genauer unter die Lupe nimmt? Schon irgendwie komisch, das man eine explizite Erlaubnis zum Denken braucht. Was heißt das eigentlich, wenn ich für meine freie Meinung auch alle anderen als freie Meinung anerkennen muss? Ist der gute Ruf am Ende gar ganz unverdient, weil eine ziemliche Täuschung über die Sache? Müsste man gar gerade dann Abstand vom Lob der freien Meinung nehmen, wenn es einen auf den Inhalt der Meinung ankommt? Derart unvorstellbare Gedanken soll in diesem Workshop diskutiert werden. Ganz ohne Erlaubnis, dafür mit Argumenten.

Der tendenzielle Fall der Profitrate - Eine Einführung

Ungefähr genauso zielsicher wie es im Kapitalismus Krisen gibt, wird in jeder Krise der tendenzielle Fall der Profitrate, den Marx begründet haben will, angeführt. In diesem Workshop wollen wir eine kleine Einführung in den Fall der Profitrate geben, also diskutieren, was Marx eigentlich zeigen wollte und was er tatsächlich davon gezeigt hat. Dabei werden wir auch anschauen, was es so an Einsprüchen gegen diese Resultate gab und gibt, wo diese daneben und wo richtig liegen und warum es nicht stimmt, dass die Endkrise kommt, weil der Profit irgendwann alle ist.

Automatisierung im Kapitalismus (und bedingungsloses Grundeinkommen)

Mit "bedingungslosem Grundeinkommen" oder Existenzgeld ist gemeint, dass der Staat allen seinen Bürger_innen eine feste Summer auszahlt, und zwar ohne Bedingungen daran zu knüpfen (Arbeitssuche, Kontostand, Kinder, …). Die Forderung danach erfreut sich wieder erneuter Beliebtheit; als Grund wird Automatisierung angegeben. Diese mache so viele Leute überflüssig, dass neue Wege gefunden werden müssten, um mit der resultierenden Armut umzugehen. In diesem Workshop wollen wir uns dieser Automatisierung anschauen und diskutieren ob der Blick den Existensgeldvertreter_innen darauf haben stimmt; es ist ja schon etwas verrückt, dass Leute ärmer werden, weil es weniger Arbeit macht die Sachen herzustellen, die sie so brauchen.

Geschlechterverhältnis im Kapitalismus (Workshop von der Gruppe riff)

Diese Gesellschaft kennt genau zwei Geschlechter und nahezu alle Dinge sind irgendwie geschlechtlich sortiert: Angefangen vom Babyspielzeug über die Berufswahl bis zur Frage, wer wo welche Haare tragen und wer beim Küssen den ersten Schritt machen darf. Die Zuordnung zu entweder Mann oder Frau wird gesellschaftlich eingefordert und sollte dies nicht der Fall sein, sanktioniert. In diesem Workshop wollen wir diskutieren, welche die Ansprüche an Männer und Frauen sind, wie sie sich erklären lassen und wie sie mit der kapitalistischen Gesellschaft vermittelt sind. Dabei wollen wir auch darauf eingehen, mit welchen besonders beschissenen Inhalten sich als Frauen Sortierte herumschlagen müssen und dies am Beispiel Mutterschaft und den Ansprüchen des Kapitals verdeutlichen – und warum das nicht zu unserer Vorstellung vom guten Leben für alle passt.

“Wir schaffen das” und “Obergrenze” – Zwei Seiten derselben Medaille?! (Workshop von der Gruppe riff)

In der Debatte um die aktuelle “Flüchtlingskrise” seit September 2015 stehen sich zwei Seiten gegenüber: Auf der einen Seite Angela Merkel mit ihrer “Wir schaffen das!”-Politik und einer “neuen deutschen Willkommenskultur”; auf der anderen Seite Seehofer mit seinen Forderungen nach einer Obergrenze als besorgter Bewahrer der “Deutschen Kultur”. In der öffentlichen Debatte werden beide zum Teil als extremer Kontrast dargestellt: Merkel als sogenanntes Gesicht der Menschlichkeit und Seehofer als populistischer Scharfmacher. Was genau die beiden Positionen jeweils bedeuten und was es bei den vermeintlich völlig konträr gegeneinander stehenden politischen Programmen an Gemeinsamkeiten gibt, wollen wir uns in diesem Workshop genauer angucken.